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Rucksäcke


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10 Antworten in diesem Thema

#1 Bjoern

Bjoern
  • 2.022 Beiträge

Geschrieben 19. April 2009 - 14:46

In diesem Text werde ich euch Frequently Asked Questions, sprich häufig gestellte Fragen zum Thema Rucksäcke beantworten und näher erläutern.



Was ist eine Daisy Chain?

Eine Daisy Chain, oder auch Funktionsleiste genannt, ist eine meistens aus Gurtband bestehende aufgenähte Leiste, die auf dem Deckelfach oder auf der Front des Rucksackes angebracht ist. An ihr können diverse Gegenstände (Karabiner etc.) befestigt werden.


Was ist ein Front Access?
Manche Rucksäcke bieten als Zusatzfeature eine Front Access. Dies ermöglicht es einem den Rucksack nicht nur von oben sondern auch frontal zu beladen. Dafür wird die Front mit einem Reißverschluss an den restlichen Rucksack gekoppelt.


Was sind Armschlaufen (auch: Arm-Relax-Schlaufen)?
Einige älter Modelle verfügen über eingebaute Armschlaufen, welche an beiden Schulterriemen befestigt sind. In sie kann das Armgelenk eingehangen werden, um die Arme von dem ständigen Hängenlassen zu entspannen.
Die Armschlaufen sollten nach Möglichkeit immer mit einem Klettverschluss verschlossen sein, damit bei einem eventuellen Fall die Arme noch rechtzeitig befreit werden können.


Was ist eine Kopfmulde?

Manche Hersteller bieten einige ihrer Rucksäcke mit einer sogenannten Kopfmulde an. Diese ermöglicht es einem auch mit aufgesetztem Rucksack den Kopf nach hinten zu neigen ohne am Deckelfach anzustoßen.


Wie viel Liter sollte mein zukünftiger Rucksack haben?
Diese Frage zu beantworten dauert etwas länger. Vorerst sollte überlegt werden, wohin, wie lange und mit welchem Gepäck man verreisen will.
Danach kann allmählich die Literfrage geklärt werden:
Daypacks: Diese Art von Rucksäcken hat zumeist ein Volumen von ca. 10-35 Liter und ist für einfache Wanderungen und Tagestouren mit Wechselkleidung und Proviant ausgelegt. Mit ihnen kann nur ein Gewicht von bis zu 8 Kilogramm transportiert werden, da viele ohne richtigen Hüftgurt ausgeliefert werden.
Tourenrucksäcke: Sie haben ein Volumen von ca. 35-50 Liter und es kann damit eine Last von bis zu 10 kg transportiert werden. Ihren Hauptverwendungszweck liegt bei Hüttentouren und Wochenendtouren, bei denen außer Proviant und Bekleidung auch noch ein Schlafsack mit muss.
Trekkingrucksäcke: Mit 50+ Litern können sie auch für anspuchsvolle Mehrtagestouren (Trekkingtouren) mit Zelt, Schlafsack, Isomatte und sonstiger Ausrüstung verwendet werden. Sie sind für größere Lasten bis über 15 kg ausgelegt und bieten auch eine dementsprechende Austattung, wie z.B. breiter Hüftgurt, Brustgurt, gut gepolsterte Schultergurte und ein ordentliches Tragesystem.
Kofferrucksäcke: Diese Art von Rucksäcken sind ein Kompromiss aus Trekkingrucksack und Reisekoffer. Sie habe zumeist ein relativ großes Volumen und sind mit einem Front Access ausgestattet, um ein Befüllen wie bei einem normalen Koffer zu ermöglichen. Einige Modelle verfügen über einen zusätzlichen aufgesetzten Daypack für kleinere Ausflüge und manche haben auch verstaubare Schultergurte.
Kletterrucksäcke: Sie sind von der Machart her mit normalen Tourenrucksäcken zu vergleichen, aber bieten eine andere für Kletterer ausgelegte Ausstattung. Dazu gehören zum Beispiel spezielle Befestigungsmöglichkeiten für Seile, Karabiner u.ä.
Außerdem bieten sie eine bessere Armfreiheit und einen schmaleren Körper.
Fahrradrucksäcke: Im eigentlichen Sinne sind dies Daypacks, welche im Tragesystem und in der Ausstattung verbessert wurden. Beispielsweise bieten sie Fächer für Luftpumpen und einen Helm. Das Tragesystem wurde so luftig wie möglich gestaltet, sodass manche Modelle auch über einen Netzschultergurt verfügen.
Trinkrucksäcke: Eine Sonderart sind unter anderem die Trinkrucksäcke. Sie swurden hauptsächlich für Sportarten ausgelegt, bei denen weniger Gepäck, aber viel Trinkwasser benötigt wird. In ihrem Innern ist eine sogenannte Trinkblase integriert, welche eine gewisse Menge an Trinkwasser (ca. 1-4 Liter) aufnehmen kann. Über einen Schlauch, der mit der Blase verbunden ist kann das Wasser ohne den Rucksack aufgenommen werden.


Tragegestell:
Ein guter Rucksack sollte über ein vernünftiges Tragegestell verfügen, welches die Last optimal auf Schultern (25-35%) und Hüfte (65-75 %) verteilt. Manche Modelle haben einen beweglich gelagerten Hüftgurt, welcher bei jeder Bewegung des Benutzers mitzieht und so einen guten Tragekomfort bietet. Er ist allerdings im Gegensatz zu einem starren Gurt für nicht so schwere Lasten geeignet.
Wegen des großen Gewichtes, das auf dem Hüftgurt und somit auf den Hüften lagert, sollte dieser perfekt auf dem Hüftknochen aufliegen.
Weiterhin sollte der Schulterriemen gut gepolstert und mit einem Brustgurt gegen eventuelles Verrutschen ausgestattet sein.
Gestänge: Das Gestänge verteilt die Last auf Schulterriemen und Hüftgurt und ist somit eine wichtige Komponente des Tragesystems. Fast alle Trekkingrucksäcke und auch Modelle mit weniger Liter sind mit einem innenliegenden Gestänge (Innengestell-Rucksäcke) ausgestattet. Meistens gibt es zwei Gestänge, die paralell oder V-förmig verlaufen.
Wenn es innenliegende gibt, gibt es natürlich auch außenliegende Gestänge. Sie werden als Kraxen oder Tragegestell-Rucksäcke bezeichnet und benötigen einen externen Packsack, da der Rucksack als reine Gestängekonstruktion vorliegt.
Mit ihnen können extrem schwere Lasten bewegt werden und sie sind in der Beladung auch sehr Variabel, das es fast keine Begrenzung nach außen gibt.


Material - Verarbeitung?
Beim Rucksack sollte man keinesfalls sparen und auf eine gute Verarbeitung und gute Materialien achten.
Der Stoff sollte robust und auch wasserabweisend beschichtet sein. Robuste Materialien sind zum Beispiel Cordura oder verschiedene Arten von Rip-Stop-Nylon.
Rip-Stop-Nylon ist ein, wie der Name schon sagt, Nylongewebe, in welches dickere Fäden eingesponnen sind, welche bei einem Riss im Material das Weiterreißen stoppen.
Die Reißverschlüsse sollten eine passende Dimensionierung haben und nicht zu klein oder zu groß sein. Außerdem sollte unter dem Reißverschluss ein Band eingearbeitet sein, welches ein Einziehen des Stoffes verhindert. Bei außen angebrachten RV's sollte eine Abdeckung gegen Regen auch nicht fehlen.


Wie soll ich packen?
Viele Tourenrucksäcke und fast alle Trekkingrucksäcke haben eine bestimmte Einteilung der Fächer, was ein Bepacken erleichtert.
Bodenfach: Hier kommt der Schlafsack als leichtester Ausrüstungsgegenstand rein. Wenn noch Platz vorhanden ist, dann ist die Isomatte dort auch noch gut aufgehoben.
Hauptfach: Für das Hauptfach sollte man einen Kompromiss für die Reihenfolge finden. Einerseits kommt die leichte Ausrüstung nach unten und außen und die schwere in den Rückenbereich, aber andererseits sollte man auch auf die geplante Benutzungshäufgkeit und Wichtigkeit des Artikels achten.
Beispiel: In der Realität würde man nie die Regenjacke bei angekündigtem Wetter ganz nach unten stecken.

Einen das Thema veranschaulichenden Film von Arthur findet ihr hier: http://www.odoo.tv/W...cken.394.0.html



Wichtig: Es sollte kein Rucksack einfach nur so bestellt werden ohne ihn vorher anprobiert zu haben. Ein mindestens 10-minütiges Probetragen mit mehr als 10 Kilogramm ist Pflicht und nur so kann man ein gut passendes Modell für sich persönlich finden.

#2 Bjoern

Bjoern
  • 2.022 Beiträge

Geschrieben 19. April 2009 - 16:27

Richtiges Packen

Wenn ein Rucksack richtig gepackt wird, so ergeben sich weniger Schwierigkeiten mit einem hohen Gewicht, als wenn alles einfach planlos reingestopft wird.
Somit muss ein Konzept erstellt werden, welches das Gewicht perfekt auf das Gestänge des Rucksackes, und somit auf das Becken des Benutzers überträgt.

Normale Trekkingtour in ebenen Gelände:
Auf einer normalen Trekkingtour sollte man den Rucksack nach folgendem Plan packen:
  • alle schweren Ausrüstungsgegenstände müssen so nah an den Schultern anliegen, wie nur möglich.
  • alle leichten Gegenstände kommen nach unten und nach außen.
  • mittelschwere Artikel werden zwischen den beiden vorangenannten Schichten verstaut.


In der Praxis sieht es dann wie folgt aus:

  • Schlafsack und wenn möglich Isomatte in das Bodenfach
  • Kochutensilien und ähnlich schwere Dinge in den Rückenbereich
  • Isomatte entweder ins Bodenfach oder bei einer normalen Schaumstoffisomatte außen an den Rucksack (möglichst im Bereich des unteren Drittels)
  • Wäsche etc. wird in den für mittelschwere Lasten ausgelegten Raum verstaut.

Kleinkram, wie Kompass, Taschenlampe, Messer, Müsliriegel etc. können im Deckelfach und in den Seitentaschen untergebracht werden, womit auch ein schneller Zugriff gewährleistet ist..
Das Zelt ist meistens das schwerste Utensil und wird somit direkt unter den Deckel geklemmt .

Um zu überprüfen, ob der Rucksack richtig gepackt ist, stellen Sie ihn senkrecht auf. Wenn er nun stehe bleibt, dann ist Ihnen das Packen gelungen.
Um ihnen die Übersicht zu erleichtern empfehle ich einige farblich unterscheidbare Beutel zu verwenden.



Das richtige Modell

Der Rucksack gehört, neben der Behausung und dem Schlafsack, zu einem der wichtigsten Ausrüstungs-gegenstände eines Menschen, der auf Tour gehen will.
Ein ungeeigneter Rucksack kann die Tour zu einer Qual werden lassen.

Bevor man jetzt aber einfach drauflos kauft, sollten Sie sich folgende Fragen stellen, um einige Modelle erfolgreich aus der großen Anzahl filtern zu können:

  • Wie viel Liter sollte er haben? Für normale Tagestouren mit Wechselbekleidung und Kochutensilien reicht ein Volumen von ca. 20 bis 35 Liter völlig aus. Wenn es jedoch auf längere Trekkingtouren geht, auf der Zelt, Schlafsack und Isomatte mitkommen sollen, so sollte die Entscheidung auf einen Rucksack mit 60+ Liter fallen.
  • (Was will ich alles Mitnehmen?) siehe Punkt 1
  • Wie oft will ich ihn benutzen? siehe Punkt 4
  • Wie viel Geld will ich ausgeben? Auf dem aktuellen Markt gibt es viele Rucksäcke in verschiedenen Preisklassen. Je öfter man auf Tour geht, desto mehr Geld sollte man bereit sein zu opfern. Für einmalige Unternehmungen reicht auch ein Rucksack in der untersten Preisklasse.
  • Wo soll er hauptsächlich Verwendung finden (Erdteil)? Wenn man polare Regionen aufsucht, so sollte der Rucksack größer ausfallen, als wenn man im Sommer eine Tour macht, da es mehr zu tragen gibt (dickerer Schlafsack etc.).


#3 Funker

Funker
  • 72 Beiträge
  • Sport:Geocaching

Geschrieben 19. April 2009 - 17:32

Hallo Björn,

alle Achtung: sehr gut und ausführlich geschrieben! Gerade die von Dir angesprochene Bedeutung des richtigen Packens kann ich aus eigener Erfahrung nur voll und ganz unterstreichen. Ein gut gepackter Rucksack ist die halbe Miete!;-)

Gruß
Funker

#4 Ruebe

Ruebe
  • 748 Beiträge
  • WohnortPreetz
  • Sport:Camping, Geocaching, Kanusport, Wandern

Geschrieben 22. Juni 2009 - 17:02

Da ich eben erst dazu gekommen bin diesen Thread zu lesen, ist mir noch ein Tipp eingefallen.

Ich finde es hat sich als praktikabel erwiesen gleichartige Dinge i.d.R Wäsche in kleinen Tüten oder Packbeutel zu verstauen. Das hat
1. Den Vorteil, dass man immer schnell an die Dinge rankommt.
2. Ist der Rucksack/Seesack (für Kanuten) ordentlich weil nicht alles durcheinander fliegt und
3. schützen die Tüten noch zusätzlich vor eindringender Nässe.

Hoffe es hilft weiter.

Gruß

Ruebe

#5 Bjoern

Bjoern
  • 2.022 Beiträge

Geschrieben 22. Juni 2009 - 19:04

Jo, so etwas ähnliches hatte ich auch schon im Bericht gefunden. Ich persönlich bin auch sehr überzeugt von dem Packsystem. Vor allem hat man dann morgens nicht immer den ganzen Kram im Zelt verteilt liegen.

Um ihnen die Übersicht zu erleichtern empfehle ich einige farblich unterscheidbare Beutel zu verwenden.



#6 fiducia2017

fiducia2017
  • 3 Beiträge

Geschrieben 19. Juli 2017 - 12:29

Hi zusammen,
 
also meine Favoriten sind und bleiben die  Lederrucksäcke , extrem widerstandsfähig und praktisch mit vielen Innentaschen.
 
 
LG
fiducia

#7 outdoorfriend

outdoorfriend
  • 1.034 Beiträge
  • WohnortRhein/Main
  • Sport:Bogensport, Kanusport, Survival, Wandern

Geschrieben 20. Juli 2017 - 10:23

Lederrucksäcke sind fein und Old School - müssen aber sehr gepflegt werden und sind dazu schwer ohne Ende - so ein kleinen wobei das bei mir wieder doof aussehen würde - für ein Stadtbummel - ok und das war es.
Schon als Daypack zu schwer - wenn Old School dann Canvas - z.b. Frost River - auch schwer - aber unverwüstlich.
Von Tragekomfort oder Ultraleicht wollen wir dabei gar nicht reden.

#8 Fliegentod

Fliegentod
  • 411 Beiträge
  • WohnortNah am Kaiserstuhl

Geschrieben 20. Juli 2017 - 13:00

Die Widerstandsfähigkeit von Lederrucksäcke hängt stark von der Qualität, Dicke und Verarbeitung des Leders ab.

Pauschalisieren kann man das nicht. Da kann man andere Stoffe aus einem Beschreibungstext besser vergleichen.

Dickeres Leder hat natürlich eine gewisse Steifigkeit an sich, was beim Packen ein netter vorteil sein kann. Aber dann eben auch deutlich schwerer.

Und natürlich dann noch der Verwendungszweck. Geh ich mit dem Ding zur Schule/Uni und tragen den bestenfalls nur 60 Minuten verteilt über den Tag auf den Schultern, oder laufe ich mit dem Rucksack 8 Stunden am Tag Wanderwege entlang.

Da wird Jeder andere Schlüsse ziehen. Aber zu Glück ist die Materialauswahl inzwischen sehr groß, und es dürfte Jeder was passendes für sich finden.



#9 Kabutara

Kabutara
  • 13 Beiträge
  • Sport:Angeln, Bogensport, Fahrradfahren

Geschrieben 07. August 2017 - 05:03

hmm das habe ich jetzt alles auch nicht gewusst :)



#10 Fliegentod

Fliegentod
  • 411 Beiträge
  • WohnortNah am Kaiserstuhl

Geschrieben 07. August 2017 - 07:37

Nochwas zum Leder.

Das Tier vom dem das Leder tammt hat natürlich auch Einfluß. Steht aber bei vielen Lederartikeln nicht drauf.

So gelten bei Motorradfahrern Lederkombis vom Känguru als Maß der Dinge was Robustheit angeht.

Die Dehnbarkeit von Leder ist erstaunlicher Weise auch nicht in alle Richtungen gleich, was bei der Verarbeitung auch berücksichtigt werden sollte.






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